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Dieser Artikel befasst sich mit der Kreisstadt in Thüringen; die gleichnamige Gemeinde Meiningen in Vorarlberg siehe unter Meiningen (Vorarlberg).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Meiningen
Markierung
Deutschlandkarte, Position von Meiningen hervorgehoben
Koordinaten: 50° 33′ N, 10° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Schmalkalden-Meiningen
Höhe: 287 m ü. NN
Fläche: 41,38 km²
Einwohner: 21.058 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 509 Einwohner je km²
Postleitzahl: 98617 (alt: 6100)
Vorwahl: 03693
Kfz-Kennzeichen: SM (alt: MGN)
Gemeindeschlüssel: 16 0 66 042
Stadtgliederung: 2 Stadtteile
Adresse der Stadtverwaltung: Schlossplatz 1
98617 Meiningen
Webpräsenz:
Bürgermeister: Reinhard Kupietz (Freie Wähler Pro Meiningen)
Lage der Kreisstadt Meiningen im Landkreis Schmalkalden-Meiningen
Karte
Blick in die Georgstraße
Blick in die Georgstraße

Meiningen ist die Kreisstadt des Landkreises Schmalkalden-Meiningen im südlichen Thüringen. Die Mittelstadt an der Werra gilt als das Kultur-, Justiz- und Finanzzentrum Südthüringens. Wirtschaftlich ist die ehemalige Residenzstadt heute vom Kultur- und Städtetourismus, der Hightech-Branche, vom Maschinen- und Metallbau sowie der Nahrungsmittelindustrie geprägt.

Inhaltsverzeichnis

Bearbeiten Geografie

Bearbeiten Geografische Lage

Meiningen liegt im Werratal zwischen Rhön und Thüringer Wald an der Klassikerstraße in einer Höhe von 287 Meter über NN (Stadtzentrum). Die umliegenden Berge haben eine Höhe zwischen 417 und 499 Meter, an deren Hängen sich Teile der Stadt bis auf die Höhe von 450 Meter hinaufziehen. Der Ortsteil Dreißigacker liegt auf einer Höhe von 430 Metern über NN. Der höchste Berg ist mit 499 Meter die im Osten der Stadt gelegene Hohe Maas. Die Stadt wird von Süden nach Norden von der Werra, einem Quellfluss der Weser durchflossen.

Meiningen hat eine zentrale Lage in Deutschland. Das Ballungszentrum Rhein-Main ist 170 Kilometer entfernt, bis zur Hauptstadt Berlin sind es 380 Kilometer. Die nächstgelegenen Großstädte sind die Thüringer Landeshauptstadt Erfurt (87 Kilometer) und das unterfränkische Würzburg (102 Kilometer).

Bearbeiten Geologie

Die Stadt liegt im Meininger Triasland, einem Muschelkalkgebiet, das sich entlang der Werra bis nach Hildburghausen und bis in das Grabfeld ausdehnt.

Bearbeiten Stadtgebiet

Von den 41,38 km², die das Stadtgebiet umfasst, sind zirka 20 km² bebaut. Die maximale, lückenlos bebaute Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 6 km, in Ost-West-Richtung sind es 5,5 km.

Angrenzende Gemeinden sind Ellingshausen, Herpf, Kühndorf, Obermaßfeld-Grimmenthal, Rippershausen, Rohr, Sülzfeld, Untermaßfeld, Utendorf und Walldorf.

Die Stadt gliedert sich in die historisch gewachsene Kernstadt mit den Stadtteilen Zentrum, Nordstadt, Oststadt, Südstadt, Jerusalem, Helba, Welkershausen und dem Ortsteil Dreißigacker. Alle Stadt- und Ortsteile sind nahtlos mit der Kernstadt zusammen gewachsen.

Bearbeiten Klima

Das gegenüber den umliegenden Gebirgszügen der Rhön und des Thüringer Waldes tiefliegende und windgeschützte Werratal sorgt für ein regional gesehen mildes Klima in der Stadt. Dabei kann es aber innerhalb der Stadt auf Grund der Topografie ganzjährig große Unterschiede bei der Temperatur, der Windgeschwindigkeit und den Niederschlagsarten geben. Während im Winter in den höher gelegenen Stadtgebieten recht oft winterliche Verhältnisse herrschen, treten diese in der Kernstadt nur sehr selten auf. Im Sommer wiederum erreicht die Lufttemperatur im Stadtzentrum weitaus öfter sommerliche (25 °C) oder hochsommerliche (30 °C) Werte. Die windgeschützte Lage kann an einzelnen Wintertagen mit Hochdrucklage zu Inversionswetterlagen führen.

Wegen fehlender Industrie und gesetzlich geforderter Nutzung von umweltfreundlichen Energien kann Meiningen auf eine gute Luftqualität verweisen. Da die veröffentlichten Wetterdaten des DWD für Meiningen von der 450 Meter hoch liegenden Wetterstation in Dreißigacker stammen, sind diese nur bedingt für die eigentliche Stadt (287 Meter über NN) gültig.

Von 1991 bis 2006 betrug an der Wetterstation in Dreißigacker der mittlere Jahreswert bei der Lufttemperatur 8.03 °C. In Meiningen selbst lag dieser Wert um 9 °C. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge belief sich im gleichen Zeitraum auf 654 mm (Quelle: Deutscher Wetterdienst - Station 10548 Meiningen).

Bearbeiten Geschichte

Bearbeiten Stadtentwicklung

Ansicht von 1676
Ansicht von 1676

Schon seit der Bronzezeit war das Werratal im Raum Meiningen von Kelten und später von germanischen Stämmen besiedelt, deren Siedlungen die typischen Endungen "-ungen“ oder „-ingen" aufweisen. Auf Letztere bezieht sich der Name Meiningen.

Die Entwicklung zur Stadt und Spätmittelalter

Meiningen entstand im 7. Jahrhundert im Zuge der fränkischen Staatserweiterung, die mit dem Schaffen von Handelsstraßen, Flussübergängen und Grenzmarken betrieben wurde. Ein solcher Schnittpunkt von zwei Handelsstraßen und einer Furt war Meiningen, das urkundlich nachweisbar auch der Hauptort einer Mark war. Kaiser Otto II. übergab im Jahr 982 sein Königsgut Meiningen in der Meininger Mark dem Stift Sankt Peter und Paul in Aschaffenburg, das aber kurze Zeit später an den Kaiser zurückfiel. Der Siedlungskern lag hochwassergeschützt im südlichen Teil der heutigen Altstadt nahe dem Oberen Tor und der Werrabrücke Henneberger Straße..

Ritter des Königsgutes veranlassten 1003 den Baubeginn der bis heute bestehenden Stadtkirche. 1008 gab Kaiser Heinrich II. dem Bistum Würzburg Meiningen als Lehen, dem die Stadt nun 534 Jahre lang angehörte. Im 11. Jahrhundert dehnte sich die Siedlung bis zur neuen Stadtkirche und der Würzburger Wasserburg, die am Ort des heutigen Schlosses Elisabethenburg errichtet wurde, aus. Der Ort bestand in dieser Zeit überwiegend aus einzeln stehenden einstöckigen Fachwerkhäusern, die von Handwerkern und Ackerbauern bewohnt wurden. Diese Bebauung verdichtete sich im Laufe der Jahrhunderte zu lückenlosen Häuserzeilen mit zweistöckigen Fachwerk- und Steinhäusern und einzelnen Kemenaten.

1153 bekam Meiningen durch den Landesherren mit der Gerichtsbarkeit die ersten Stadtrechte verliehen und ist somit von da an als Stadt anzusehen. Bei dem Versuch, die würzburgische Exklave dem Machtbereich der Grafschaft Henneberg einzuverleiben, erlitt Meiningen 1222 bei kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Bischof Otto I. von Würzburg und dem Graf Poppo VII. von Henneberg schwere Zerstörungen. 1230 wurde Meiningen erstmals in einer Urkunde als Stadt (civitas) genannt und erhielt im Jahre 1344 mit der Verleihung der Rechte der Freien Reichsstadt Schweinfurt erweiterte Stadtrechte. Dies bedeutete für die Meininger Bürgerschaft ein sehr hohes Maß an Selbständigkeit gegenüber dem Landesherren. Zum Schutze der Stadt wurde ein Verteidigungssystem angelegt, das aus einem doppelten Mauerring mit rund 30 Halbschalentürmen, zwei Stadttoren und drei Wassergräben bestand. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte lehnten sich Meininger Bürger immer wieder gegen die Herrschaft der Bischöfe auf, die daraufhin die Rechte der Stadt wieder beschnitten. 1432 zerstörten die Bürger bei einem Aufstand die Würzburger Burg, an deren Stelle der Bischof Lorenz von Bibra von 1509 bis 1511 eine neue Burganlage errichten ließ.

Im Bauernkrieg von 1525 schloss sich die Stadt dem Bauernheer Bildhäuser Haufen an, der später bei Dreißigacker von fürstlichen Truppen geschlagen wurde. Daraufhin wurde Meiningen mit Sanktionen und Hinrichtungen von Bürgern bestraft. Auch verlor die Stadt die errungene Selbständigkeit, in dem das Bistum eine bischöfliche Obrigkeit an Stelle des Gemeinderats setzte.

Im Jahr 1542 kam die Stadt durch Tausch mit dem Amt Mainberg an die benachbarten Grafen von Henneberg, nach deren Aussterben 1583 an das wettinische Herzogtum Sachsen, deren ernestinische und albertinische Linien die Grafschaft zunächst gemeinsam verwalteten. Die Wettiner wählten Meiningen zum Sitz der Hennebergischen Regierung.

Die Bernhardstraße um 1835
Die Bernhardstraße um 1835
Wirtschaftliche Blüte um 1600

Im 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts erlangte Meiningen durch die Barchent- und Leinenweberei und Stoffhandel eine große wirtschaftliche Blüte, die die Einwohnerzahl bis auf 5.000 ansteigen ließ. 1614 stellten 234 Handwerksmeister 37.312 Tuche her. Diese Blütezeit wurde abrupt durch den Dreißigjährigen Krieg beendet, in dessen Folge die Stadt mehrmals geplündert wurde und die Einwohnerschaft sich durch die Kriegswirren halbierte. Baulich relativ unversehrt überstand Meiningen den Krieg nur durch die Zahlung von 3.000 Talern an den kroatischen Feldherrn Isolani, der die zahlungsunfähigen Nachbarorte in Brand stecken ließ. Zuletzt hatte Meiningen seiner in Jahrhunderten entstandenen starken Stadtbefestigung zu verdanken, dass es 1641 den Angriffen schwedischer Truppen widerstand. Die Martinskirche wurde dagegen zerstört, deren Wiederaufbau erfolgte 1658.

1660 kam Meiningen zum Herzogtum Sachsen-Altenburg und wurde somit endgültig ernestinisch. Bereits 1672 wechselte die Stadt zum Herzogtum Sachsen-Gotha. Dessen Herzog Ernst I. veranlasste 1673 die Verstärkung der Stadtbefestigung durch den Stadttoren vorgelagerte Forts und Zugbrücken.

Meiningen als Haupt- und Residenzstadt

Nach mehreren Erbteilungen im Herzoghaus Sachsen-Gotha wurde unter Herzog Bernhard I. 1680 das Herzogtum Sachsen-Meiningen gebildet, welches sich bis zu seiner Auflösung 1918 mehrmals vergrößerte. Meiningen wurde Haupt- und Residenzstadt. 1682 war der Baubeginn des Residenzschlosses Elisabethenburg an Stelle der Würzburger Burg. Von dieser blieb nur der Bibrasbau als Nordflügel erhalten. 1690 gründete der Herzog die Hofkapelle und 1692 wurde der Schlosspark zunächst als Renaissancegarten angelegt.

Stadtbrand 1874
Stadtbrand 1874

Seit der Regierung der Enkel Bernhards bemühten sich die Herzöge, aufgeklärt und liberal sowohl in religiöser als auch in politischer Hinsicht, um das Wohl ihres Landes und legten Wert auf Volksnähe. 1776 wurde das erste Lehrerseminar Thüringens in Meiningen gegründet. Am Ende des 18. Jahrhunderts ließ Georg I. Teile der Stadtbefestigung abreißen und 1782 den Englischen Garten anlegen. 1813 lagerte das russische Heer unter Zar Alexander, der sein Hauptquartier im „Hotel Sächsischer Hof“ hatte, bei seinem Feldzug gegen Napoleon für einige Zeit in Meiningen.

1831 wurde das erste Meininger Hoftheater eröffnet. Im 19. und 20. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt durch die Gründungen der herzoglichen Landeskreditanstalt, der Mitteldeutschen Kreditbank (1856), der Deutschen Hypothekenbank (1862), der Bank für Thüringen (1908) und durch Niederlassungen anderer Banken zu einem der bedeutendsten Finanzstandorte Deutschlands. Bereits 1858 erhielt Meiningen mit der Eröffnung der Werrabahn Anschluss an das deutsche Eisenbahnnetz. Durch den Bau der Hauptkaserne und der Nordkaserne wurde Meiningen auch Garnisonsstadt. Nach dem Krieg Preußens gegen Österreich im Jahre 1866 musste Herzog Bernhard II., der auf der Seite der Österreicher stand, abdanken, um das Herzogtum vor einer Übernahme durch die siegreichen Preußen zu retten. Sein Nachfolger wurde sein Sohn Herzog Georg II..

Meiningen um 1900
Meiningen um 1900

1868 teilte man das Herzogtum in Landkreise ein und Meiningen wurde eine von vier Kreisstädten. Der kunstsinnige Herzog Georg II. reformierte gemeinsam mit seiner Frau Helene Freifrau von Heldburg und dem Regisseur Ludwig Chronegk das Regietheater und ging mit dieser bedeutenden Theaterreform in die Kulturgeschichte ein. Von 1874 bis 1890 gab das Ensemble des Hoftheaters in ganz Europa zahlreiche Gastspiele.

Ein verheerender Stadtbrand zerstörte im Jahre 1874 etwa ein Drittel der Gebäude in der Innenstadt, darunter befanden sich das Rathaus und das Landtagsgebäude. Der Wiederaufbau erfolgte mit der Unterstützung von Spenden vieler deutscher Städte im klassizistischem Stil, der Meiningen ein neues, bis heute Stadtbild prägendes Gründerzeitviertel bescherte. Zum Dank brachte man die Wappen dieser Städte an der Fassade der neuerbauten Bank für Thüringen an, auch erhielten einige Straßen die Namen der größten Spenderstädte. Neu entstanden dann neben dem Rathaus auch ein Hauptpostamt und das Landtagsgebäude. Ebenfalls 1874 nahm mit der Einweihung des Bayerischen Bahnhofs die von der Bayerischen Staatsbahn betriebene Bahnlinie Meiningen-Schweinfurt ihren Betrieb auf. Die neue Bahnlinie bewirkte große topografische Veränderungen südlich des Bahnhofes und machte den Bau eines 100 Meter langen Straßentunnels notwendig.

Rathaus um 1900
Rathaus um 1900

Eine Industrialisierung von Meiningen konnte das Herzoghaus um eine saubere Residenzstadt willen geschickt verhindern. Dennoch verdoppelte sich zwischen 1870 und 1910 die Einwohnerzahl und die Stadt wuchs weit über ihre mittelalterlichen Grenzen hinaus. Im Norden, Westen und Osten wurden neue ausgedehnte Wohngebiete, Villenviertel und einige Gewerbeflächen angelegt, rund um das Stadtzentrum entstanden große repräsentative Verwaltungs- und Kulturgebäude.

1880 holte Herzog Georg II. den Dirigenten und Komponisten Hans von Bülow nach Meiningen, der die Meininger Hofkapelle zu einem europäischen Spitzenorchester entwickelte, das bis 1914 in ganz Europa Konzerte gab. 1909 wurde das neue Haus des Hoftheaters eröffnet, nachdem ein Jahr zuvor das alte abgebrannt war. 1914 nahm die Hauptwerkstatt der Preußischen Staatsbahn, das spätere RAW (Reichsbahnausbesserungswerk) und heutige Dampflokwerk, seine Arbeit auf. Am 25. Juni 1914 starb mit Georg II. nicht nur der bedeutendste Herzog von Sachsen-Meiningen, sondern auch der bedeutendste Sohn der Stadt Meiningen.

Nach Abdankung des Herzogs Bernhard III. infolge der Novemberrevolution war Meiningen von 1918 bis 1920 Hauptstadt des Freistaates Sachsen-Meiningen und 1920 einer der sieben Gründerstaaten Thüringens.

1920 bis 1952

Mit Helba erfolgte 1923 die erste Eingemeindung eines Ortes nach Meiningen. 1927 entstand auf dem Rohrer Berg ein Verkehrsflugplatz, der zum deutschen Flugliniennetz gehörte und von der Lufthansa und der Nordbayrischen Verkehrsflug GmbH angeflogen wurde. 1931 besuchte Adolf Hitler zwecks einer Wahlveranstaltung die Stadt. Ein großes Ereignis in der Geschichte der Stadt war die Landung des Luftschiffes LZ 127 „Graf Zeppelin“ am 11. Oktober 1931 auf dem Meininger Flugplatz. Eine weitere Zeppelinlandung fand am 9. Juli 1939 mit der LZ 130 statt.

Das innere Stadtzentrum 1905
Das innere Stadtzentrum 1905

In der Zeit des Nationalsozialismus gehörte in Meiningen zu den verfolgten Gegnern des Regimes die Kommunistin und Jüdin Bella Aul, an die heute eine Gedenktafel in der Kasernenstraße erinnert. Im Jahre 1936 wurde Welkershausen eingemeindet und man baute mit der Errichtung der Barbara- und der Drachenbergkaserne Meiningen als Garnisonsstandort aus. Dort zogen Artillerie- und motorisierte Einheiten der Wehrmacht ein. Die Synagoge wurde beim Novemberpogrom 1938 geschändet und zerstört. An sie und die jüdische Gemeinde erinnert eine an ihrem ehemaligen Standort 1988 errichtete Gedenkstätte. Am "Judenhaus" Sachsenstraße 5/6 erinnert eine Gedenktafel an die dort vor ihrer Deportation konzentrierten Juden. Während des Zweiten Weltkrieges mussten etwa 2.100 Kriegsgefangene, Militärinternierte sowie Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern in mehreren Betrieben Zwangsarbeit verrichten. Auf dem Parkfriedhof befinden sich Gräber zahlreicher Opfer von Zwangsarbeit aus mehreren Nationen, für die dort 1958 ein Ehrenmal errichtet wurde.

Im Krieg wurde die Stadt wiederholt von Bombenangriffen heimgesucht, der schwerste am 23. Februar 1945 forderte 208 Tote und zerstörte 251 Häuser total (darunter das Rathaus, das Landgericht und die Friedhofskapelle) und beschädigte 440 Gebäude schwer. Dem Angriff fielen auch zwei Brücken und Teile des Bahnhofs zum Opfer. Von 1943 bis zur Übernahme durch die US-Armee 1945 befanden sich in der Drachenbergkaserne die von Berlin ausgelagerten OKW-Abteilungen Wehrmachtauskunftstelle und Amt Ausland. Anfang April 1945 kesselten amerikanische Truppen Meiningen ein und eroberten am 5. April nach kurzem Kampf mit ungarischen und deutschen Truppen die Stadt. Eine Sondereinheit der US-Armee übernahm die OKW-Abteilungen und führte sie bis zum Kriegsende weiter. Am 6. Juli desselben Jahres rückte die Rote Armee in die Stadt ein und bezogen die Stadt- und die Barbarakaserne. In der Drachenbergkaserne wurde 1946 eine Einheit der Thüringer Bereitschaftspolizei untergebracht.

Die DDR-Zeit
typisches Straßenbild an Staatsfeiertagen in der DDR (1979)
typisches Straßenbild an Staatsfeiertagen in der DDR (1979)

Von 1952 bis 1990 gehörte Meiningen als Kreisstadt zum Bezirk Suhl. Das bereits beschlossene Vorhaben, Meiningen wegen seiner idealen Voraussetzungen als Bezirksstadt einzurichten, wurde von Walter Ulbricht persönlich verhindert. Er begründete dies mit der Vergangenheit als Residenz und einem zu geringen Anteil von Arbeitern in der Bevölkerung. Durch den im Krieg zerstörten Wohnraum und einer langsam wachsenden Bevölkerung waren viele Wohnhäuser überbelegt, deren Wohnungen oftmals von zwei bis drei Mietparteien geteilt wurden. Daraufhin errichteten bis 1966 Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften neue Wohngebiete im Bodenweg und am Drachenberg. Mit dem Bau eines Werkes für Mikroelektronik entstand schließlich von 1970 bis 1982 im Norden zwischen Helba und Welkershausen mit Plattenbauten der neue Stadtteil Jerusalem mit rund 6.000 Einwohnern. Dennoch herrschte in dieser Zeit städtebauliche Stagnation, da außer einigen Schulen keinerlei neue öffentliche Gebäude entstanden. Weiterhin wurde wertvolle historische Bausubstanz dem Verfall preisgegeben. Viele Baulücken, entstanden durch Notabrisse, beweisen dies im heutigen Stadtbild (siehe auch: Bilder von 1979). 1988 begann die von Franz Josef Strauß vermittelte Städtepartnerschaft mit Neu-Ulm. In der Wendezeit im Oktober und November 1989 war die Stadtkirche das regionale Zentrum der Friedensgebete und der Ausgangspunkt mehrerer bis zu 20.000 Teilnehmer zählenden Demonstrationen für die deutsche Einheit.

Von 1990 bis heute

Am 3. Oktober 1990 wurde Meiningen Teil des wiedergegründeten Thüringens. Am 4. Oktober 1990 erfolgte die Eingemeindung von Dreißigacker. Mit dem Abzug der russischen Truppen im Jahre 1991 ging die Zeit als Garnisonsstadt zu Ende. Die Stadt verlor Anfang der 1990er-Jahre durch die Abwicklung zahlreicher Betriebe wie Robotron, Spielzeug-Elektrik, Ruhla-Uhren und Welton und weiterhin starken Arbeitsplatzabbau im Reichsbahnausbesserungswerk und anderen Firmen tausende Industriearbeitsplätze.

Neue Kammerspiele
Neue Kammerspiele

Mit der Schaffung des 80 Hektar großen Gewerbegebiets Dreißigacker legte man die Grundlage für eine Erholung der Wirtschaft, wo bis 2007 mehr als 2.000 neue Arbeitsplätze entstanden sind. In den 1990er-Jahren wurde die Stadt wieder eine bedeutende Kunst- und Kulturstadt, die sie bereits bis in die 1950er-Jahre war. Seit 1991 gibt es einen Freundschaftsvertrag mit Obertshausen in Hessen, der 2007 in eine feste Städtepartnerschaft umgewandelt wurde. Im Jahr 1994 wurde Meiningen durch eine Gebietsreform Kreisstadt des neugebildeten Landkreises Schmalkalden-Meiningen.

Seit Mitte der 1990er-Jahre erfährt die Stadt einen städtebaulichen Aufschwung. Es entstanden neue Großbauten wie das Klinikum (1995), die Multihalle (1998), das Justizzentrum und die Bundesbankfiliale (beide 2000). Viele historische Bauwerke und ganze Straßenzüge, in der DDR dem Verfall preisgegeben, wurden unter privater Hand restauriert. Neue Wohngebiete gründete man im Osten der Stadt und in Dreißigacker. Mit dem Bau der A71 erhielt die Stadt im Jahr 2003 Anschluss an das deutsche Autobahnnetz. Im Oktober 2005 war Meiningen Gastgeber für die Landesfesttage Thüringentag. Neue Städtepartnerschaften wurden 2006 mit Bussy-Saint-Georges bei Paris in (Frankreich) und 2007 mit Obertshausen (Hessen) geschlossen. Mit der Eröffnung der Neuen Kammerspiele im Juni 2008 schuf sich die Stadt eine weitere Theaterspielstätte und unterstreicht damit ihre überregionale Bedeutung als Kulturstadt.

Bearbeiten Religionen

Stadtkirche (evangelisch)
Stadtkirche (evangelisch)

Durch die jahrzehntelange kirchenfeindliche Politik in der DDR sanken die Mitgliederzahlen aller kirchlichen Gemeinden in Meiningen so rapide ab, dass der Großteil der Einwohner heute konfessionslos ist. Die gläubigen Bürger gehören zu den folgenden Kirchengemeinden.

Evangelisch: Durch die Reformation wurde Meiningen im Jahr 1544 überwiegend evangelisch-lutherisch, deren Gemeinde seit dem die Stadtkirche als Domizil hat. Die Gemeinde gehörte später zur Evangelischen Landeskirche Sachsen-Meiningen, die 1920 in die Evangelische Landeskirche Thüringen aufging. Die Stadt ist Sitz des Kreiskirchenamtes Meiningen (= Aufsichtsbezirk Süd) und einer Superintendentur. Nach der Fusion der Evangelischen Landeskirche Thüringen mit der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen zum 1. Januar 2009 wird Meiningen Regional-Bischhofssitz (Propstei). Der Evangelischen-Lutherischen Gemeinde Meiningen sind weiterhin die evangelischen Gemeinden in Meiningen-Nord (Kirche zum Heiligen Kreuz), Helba, Welkershausen, Untermaßfeld und Dreißigacker angegliedert. Als größte christliche Gemeinde in der Stadt hat die Evangelische-Lutherische Gemeinde 4.956 Mitglieder (2006).

Römisch-katholisch: Nach kurzer Zugehörigkeit ab 982 zum Bistum Mainz und der Stiftskirche Sankt Peter und Paul in Aschaffenburg gehörte Meiningen von 1007 bis 1994 zur Diözese Würzburg. Nach dem Wechsel zur Grafschaft Henneberg 1542 und der Reformation 1544 lebten die wenigen verbliebenen katholischen Gläubigen in der Diaspora. Erst im 19. Jahrhundert wuchs wieder eine größere katholische Gemeinde heran. Sie erhielt 1881 eine neue Kirche, die aber bereits 1972 einem neueren modernen Kirchenbau weichen musste. 1973 fasste man die auf dem Gebiet der DDR befindlichen Teile der katholischen Bistümer Fulda und Würzburg zum Bischöflichen Amt Erfurt-Meiningen zusammen. Dieses erhob 1994 der Heilige Stuhl in Rom zum neuen Bistum Erfurt und Meiningen wurde zum Sitz eines der sieben Dekanate, das 11 Gemeinden vereint, darunter die Meininger Gemeinde St. Marien mit 2.226 Gläubigen (2006).

Neuapostolische Kirche
Neuapostolische Kirche

Jüdisch: Die ersten jüdischen Gemeinden in Meiningen wurden 1298 und 1349 vernichtet und 1566 mussten schließlich alle jüdischen Bürger die Stadt gänzlich verlassen. Erst ab 1840 durften wieder Juden in Meiningen wohnen und diese gründeten dann 1866 die Israelitische Kultusgemeinde Meiningen. Mit 293 städtischen Mitgliedern hatte die Gemeinde 1925 ihren Höchststand (zusammen mit dem Umland waren es 500). Die 1883 eingeweihte Synagoge wurde in der Reichspogromnacht 1938 zerstört.

Neuapostolisch: Die Stadt ist Sitz eines Kirchenbezirks der Neuapostolischen Kirche Mitteldeutschland mit 15 Gemeinden und 1.676 Mitgliedern (2006), wobei die Meininger Gemeinde 304 Gläubige zählt. Für die Gemeinde Meiningen wurde am 20. Februar 2000 eine neu erbaute Kirche geweiht.

Sonstige Gemeinden: In Meiningen existieren noch weitere Kirchengemeinden. Dazu gehören die Baptisten der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde mit 60 Gläubigen, die 1901 gegründete Landeskirchliche Gemeinschaft Meiningen und die Christus-Gemeinde.

Bearbeiten Eingemeindungen

Eingemeindet wurden am 1. April 1923 Helba, am 1. April 1936 Welkershausen und am 4. Oktober 1990 Dreißigacker.

Bearbeiten Einwohnerentwicklung

Meiningen hatte im Mittelalter im Schnitt 2.000 Einwohner. 1545 lebten 2.200 Menschen in der Stadt, deren Zahl bis 1618 durch eine wirtschaftliche Blüte auf 4.800 anstieg. Durch den Dreißigjährigen Krieg gab es eine katastrophale Dezimierung auf 1.300 Einwohner. Deswegen lebten 1680 bei der Erhebung Meiningens zur Haupt- und Residenzstadt erst wieder 2.000 Menschen in der Stadt. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts überstieg die Einwohnerzahl die 5.000 und wuchs nun durch die Entwicklung einer bescheidenen Wirtschaft und wegen der Funktion als Hauptstadt stetig weiter bis auf 22.305 im Jahr 1939. Ihren Höchststand erreichte die Einwohnerzahl 1982 mit 26.203. Nach der Wende verlor Meiningen mit dem plötzlichen Wegfall tausender Arbeitsplätze einerseits durch Abwanderung und andererseits durch starken Geburtenrückgang und Suburbanisierung rund 4.500 Einwohner. Eingemeindungen zum Ausgleich der Suburbanisierung fanden seit 1990 nicht statt. Am 31. Dezember 2007 lebten 21.058 Bürger und Bürgerinnen mit Erstwohnsitz in Meiningen. Mit Erst- und Zweitwohnsitz waren es 22.246 Einwohner (31. Dezember 2007). Die jährliche Fluktuation bei den Zu- und Wegzügen liegt im Schnitt jeweils ausgeglichen bei 1.000 Bürgern. Durch die in jüngster Zeit vermehrte Ansiedlung neuer Firmen und dem damit verbundenen Anstieg von Arbeitsplätzen, wegen wieder steigender Geburtenzahlen (187 gegenüber 196 Sterbefälle /2007) und weiterhin durch den Zuzug vieler Ruheständler aus Großstädten und Ballungszentren, die die ehemalige Residenz zu ihrem Altersruhesitz wählen, wird in naher Zukunft eine Stabilisierung der Einwohnerzahl um die 20.000 prognostiziert (ohne künftigen Eingemeindungen).

Entwicklung der amtlichen Einwohnerzahl - Einwohner mit Hauptwohnsitz:
Jahr Einwohner
1545 2.200
1600 4.760
1833 5.659
1871 8.876
1890 12.029
1905 15.945
1910 17.131
Jahr Einwohner
1925 18.221
1933 18.833
1939 22.305
1946 23.700
1950 23.484
1960 23.748
1972 25.795
Jahr Einwohner
1982 26.203
1984 25.892
1994 24.001
1995 23.286
1996 22.777
1997 22.454
1998 22.349
Jahr Einwohner
1999 22.229
2000 22.240
2001 22.159
2002 21.965
2003 21.775
2004 21.686
2005 21.448
Jahr Einwohner
2006 21.267
2007 21.058
2008

Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik
1946 29. Oktober
1950 31. August
ab 1960 31. Dezember

Bearbeiten Politik

Ehemaliges Landtagsgebäude
Ehemaliges Landtagsgebäude

Meiningen ist eine Kreisstadt und ein Mittelzentrum in Thüringen. Die Stadt ist Sitz eines Justizzentrums, eines Staatsarchivs und einer Bundesbankfiliale, die für Südthüringen und Teile Westthüringens zuständig sind. In der Kulturpolitik und im Gesundheitswesen erfüllen das Meininger Theater, die Meininger Museen, das Staatsarchiv und das Klinikum Meiningen überregionale Aufgaben.

Die Stadt ist Erfüllende Gemeinde für die Nachbarorte Henneberg, Herpf, Rippershausen, Stepfershausen, Sülzfeld und Untermaßfeld. Bei dieser in Thüringen praktizierten Gemeindeart übernimmt die Stadt die Verwaltungsaufgaben von selbstständigen Umlandgemeinden, die nach wie vor einen Bürgermeister und einen Gemeinderat besitzen. Die erfüllende Gemeinde Meiningen hat 26.750 Einwohner (31. Dezember 2006).

Bearbeiten Stadtrat

Der Stadtrat hat 30 Sitze und setzt sich seit 2004 wie folgt zusammen:

Bürgermeister ist seit 1992 Reinhard Kupietz von Pro Meiningen (Freie Wähler).

Bearbeiten Wappen

„Im einfachen, unten gerundeten Schild in Blau eine von fünf silbernen rotbedachten Türmen überragte silberne Stadtmauer, in deren offenem Tor auf goldenem Grund eine rotbewehrte nach rechts gewandte schwarze Henne auf grünem Dreiberg steht.“ (Zitat, Quelle: § 2 der Hauptsatzung der Stadt Meiningen vom 14. Oktober 1994).
Das erste Stadtsiegel aus der Zeit um 1290 zeigt eine dreitürmige Burg mit Zugbrücke, im Tor vier Sterne. In den erweiterten Stadtrechten von 1344 ist festgelegt, dass das Wappen von Meiningen künftig fünf Türme führen sollte, im Tor das Brustbild eines Bischofs. Durch Edikt vom 23. Mai 1557 wurde dies durch das Wappen der Henneberger ersetzt. Die Halbmonde und Zwiebeltürme haben keine osmanischen Bezüge, sie dienten lediglich gestalterischen Zwecken.

Bearbeiten Städtepartnerschaften

Offizielle Städtepartnerschaften bestehen zu folgenden drei Städten.

Freundschaftliche Beziehungen bestehen mit der Millionenstadt Adelaide in Australien wegen deren Namensgeberin Queen Adelaide (Königin von England), der in Meiningen geborenen und aufgewachsenen Prinzessin Adelheid von Sachsen-Meiningen, und mit der Gemeinde Meiningen (Vorarlberg) in Österreich wegen der Namensgleichheit.

Bearbeiten Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bearbeiten Theater

Das Meininger Theater
Siehe Hauptartikel: Das Meininger Theater
Das Meininger Theater
Das Meininger Theater

„Das Meininger Theater“ ist ein Drei-Sparten-Theater und wird von der Stadt Meiningen, dem Landkreis und dem Land Thüringen als „Südthüringisches Staatstheater“ geführt. Intendant ist seit 2005 Ansgar Haag.

Das 1831 gegründete Theater bietet auf den Bühnen Großes Haus und Neue Kammerspiele Musiktheater, Schauspiel, Ballett (durch Gastensembles) sowie Puppentheater und Konzerte. Auf dem Programm stehen in allen Genres wie Oper, Musical oder Schauspiel neben bekannten Werken großer Künstler auch manches heute seltener gespielte Werk. Der „Theaterjugendclub“ des Hauses führt in den Neuen Kammerspielen aktuelle Stücke zu jugendlichen Themen auf. Im Rahmen des Austauschs von Bühnenwerken zwischen den Thüringer Theatern finden regelmäßig Ballettaufführungen auswärtiger Tanzensembles statt.

Eine besondere Bedeutung hatte das Haus, das sich bis 1920 „Meininger Hoftheater“ nannte, Ende des 19. Jahrhunderts, als das die „Meininger“ genannte Ensemble eine führende Rolle bei der Durchsetzung des modernen Regietheaters im Schauspiel einnahm. Diese bedeutsame Tätigkeit des „Theaterherzogs“ Georg II. (1866–1914), der das Hoftheater leitete und auch Regie führte, hatte eine Vorbildwirkung in Deutschland und in Europa. Dieses wurde durch zahlreiche erfolgreiche Gastspiele von 1874 bis 1890 in vielen Metropolen Europas bekannt gemacht.

Meininger Puppentheater

Das überwiegend selbstständig agierende Puppentheater wurde 1986 am Meininger Theater gegründet. Zum Repertoire gehören überwiegend Stücke für Erwachsene und Jugendliche. Die bekanntesten, weltweit gezeigten Stücke sind Der standhafte Zinnsoldat und Kondom des Grauens. Das Ensemble unternahm bisher zahlreiche und erfolgreiche Reisen zu Einzelgastspielen und Puppentheaterfestivals auf vier Kontinente, so unter anderem nach Japan, China, Australien, Kanada, den USA und in viele europäische Länder.

Jugendtheater Tohuwabohu

Die Jugendtheatergruppe der Kunst- und Kreativschule „Tohuwabohu“ besteht seit 1992 und spielt an wechselnden Aufführungsstätten wie in Schulen, im Jugendzentrum Max'Inn, auf der Kleinkunstbühne Rautenkranz oder im Bahnhof Meiningen.

Randgruppe Blau * Sozialtheater

Anfang 2007 gründete sich das Frauen-Theaterensemble „Randgruppe Blau“ Meiningen. Die erste Inszenierung mit dem Stück „War was? oder La poche bleu“ hatte am 14. Juni 2007 Premiere. Weitere Auftritte folgten am 25. und 26. April 2008 im Meininger Theatermuseum mit "Und dann... La poche bleu - overte".

Bearbeiten Musik

Meininger Hofkapelle
Siehe Hauptartikel: Meininger Hofkapelle
Meininger Hofkapelle mit Hans von Bülow 1882
Meininger Hofkapelle mit Hans von Bülow 1882

Die „Meininger Hofkapelle“ zählt zu den ältesten und traditionsreichsten Klangkörpern in Europa. Das heute 68 Mitglieder zählende Orchester ist dem Meininger Theater angeschlossen und lädt neben ihren Auftritten bei Operaufführungen regelmäßig zu Sinfoniekonzerten ein. Generalmusikdirektor (GMD) ist seit 2007 Hans Urbanek. 1. Kapellmeister und stellvertretender GMD ist seit 2004 Stefanos Tsialis.

Die Hofkapelle wurde bereits 1690 von Herzog Bernhard I. gegründet. Erste Dirigenten waren unter anderen Georg Caspar Schürmann und Johann Ludwig Bach. Mit dem Antritt von Hans von Bülow als Hofkapellmeister Anfang Oktober 1880 begann die erfolgreichste Zeit der Kapelle, die er zu einem europäischen Eliteorchester entwickelte. Durch Bülow kam auch Johannes Brahms nach Meiningen, um mit der Hofkapelle zusammen zu arbeiten und diese gelegentlich zu dirigieren. Er wurde zu einem engen Freund von Georg II. und war bis zu seinem Tode sehr oft zu Gast in der Stadt. Brahms schrieb weiterhin vier Werke für den bekannten Meininger Klarinettisten Richard Mühlfeld. Weitere hervorragende Dirigenten waren Richard Strauss, Wilhelm Berger und Max Reger. Heute kann man das Max-Reger-Archiv mit seinem künstlerischen Nachlass im Schloss Elisabethenburg besuchen.

Musikschulen, Orchester und Chöre

Das aus einigen Mitgliedern der Meininger Hofkapelle bestehende „Meininger Residenzorchester“ tritt vornehmlich auf kleinen Bühnen oder im Rahmenprogramm von kommunalen oder wirtschaftlichen Großveranstaltungen auf. In der evangelischen Gemeinde existiert ein „Posaunenchor“, der bei kirchlichen Veranstaltungen aufspielt.

Bekannt ist die Max-Reger-Musikschule. Sie ist im Bibrasbau des Schlosses Elisabethenburg untergebracht. Weiterhin ist die private Musikschule „Kling-Klang“ zu nennen.

Zu den Chören der Stadt gehören der „Gemischte Chor der Musikschule“ (Leiter: Matthias Bretschneider), der „Chor des Meininger Theaters“ (Direktor: Sierd Quarre), der „Katholische Kirchenchor“, die „Meininger Kantorei“ und der „Kinderchor“ der evangelischen Gemeinde, der „Ökumenische Gospelchor Meiningen“ , der „Junge Frauenchor“ und der „Kinder- und Jugendchor“ (beide Musikschule).

Bearbeiten Museen

Meininger Museen

Unter dem Dach der Kulturstiftung Meiningen sind die „Meininger Museen“ mit den drei Standorten Schloss Elisabethenburg, Literaturmuseum Baumbachhaus und Theatermuseum vereint.

Das Schloss Elisabethenburg beherbergt die vier Museums-Abteilungen - Historisches Interieur vom Rokoko über Empire bis hin zum Historismus, - Kunstsammlungen mit Gemälden, Skulpturen, Möbeln, Keramik, Uhren und anderem Kunsthandwerk aus verschiedenen Jahrhunderten, - Musikgeschichte über die Meininger Hofkapelle, Johann Ludwig Bach, Richard Wagner, Hans von Bülow, Johannes Brahms, Richard Strauss, Max Reger und - Theatergeschichte über die Meininger.

Das Theatermuseum
Das Theatermuseum

Das Theatermuseum „Zauberwelt der Kulisse“ in der ehemaligen Reithalle bietet eine jährlich wechselnde Ausstellung von historisch wertvollen Bühnenprospekten aus der Reisezeit des Meininger Hoftheaters.

Im Literaturmuseum „Baumbachhaus“ befindet sich schwerpunktmäßig eine Ausstellung zum Leben und Wirken des Heimatdichters Rudolf Baumbach. Weiterhin wird das Wirken von Friedrich Schiller, Jean Paul und Ludwig Bechstein während ihrer Meininger Zeit behandelt. Dazu gibt es eine Abteilung für Stadt- und Heimatgeschichte.

Weitere Museen

Das Meininger Zweiradmuseum „MZM“ zeigt sämtliche in der DDR produzierte Zweiradtypen und eine Vielzahl von Polizeifahrzeugen. Dieses wird von einem privaten Verein geführt, deren Mitglieder mit viel Initiative und handwerklichem Geschick die Modelle in jedem Zustand erwerben und in den Originalzustand restaurieren.

Das Technik-Museum „Dampflokwerk“ veranstaltet Führungen am ersten und dritten Samstag im Monat. Hier werden die Lokhalle, Rad-Drehbänke, die Kesselschmiede und andere historische Einrichtungen gezeigt.

Bearbeiten Galerien

Die Städtische „galerie ada“ zeigt in ihren 2007 bezogenen neuen Ausstellungsräumen in der Bernhardstraße zeitgenössische Malerei, Plastiken und Grafik. Sie befand sich bis dahin im Hartungschen Haus, einem restaurierten Fachwerkbau im Altstadtviertel Töpfemarkt.

Eine „Obere Galerie“ und eine „Untere Galerie“ betreiben die Meininger Museen in ihren Räumen im Schloss Elisabethenburg. Dort werden in ständig wechselnden Ausstellungen insbesondere historische Exponate zu einem aktuellen kulturellen oder kommunalen Thema präsentiert.

In den Galerien des Kunsthauses Meiningen finden Expositionen von moderner Kunst, insbesondere der bildenden Künste Malerei, Grafik und Bildhauerei statt.

Bearbeiten Bauwerke

Bibrasbau des Schlosses Elisabethenburg
Bibrasbau des Schlosses Elisabethenburg
Schlösser und Paläste

Schloss Elisabethenburg: Die von 1682 bis 1692 erbaute barocke Dreiflügelanlage war bis 1918 die Residenz der Herzöge von Sachsen-Meiningen und wird heute vielseitig genutzt.

Das Schloss Landsberg am nördlichen Stadtrand ließ Herzog Bernhard II. in den Jahren 1836 bis 1840 als Lustschloss im englischen Stil erbauen. Es beherbergt heute ein Vier-Sterne-Hotel.

Zu den Palästen in der Stadt zählen das Große Palais (Erbprinzenpalais, erbaut 1823 / Umbau 1863) und das Kleine Palais (1821), die als Wohnstätten der herzoglichen Familie dienten, und die Struppsche Villa des Bankiers Gustav Strupp. In ihnen befinden sich heute unter anderem eine Bank.

Kirchen

Bereits im Jahr 1003 war die Grundsteinlegung der Stadtkirche „Unserer lieben Frauen“, die mehrmals im Laufe der Jahrhunderte erweitert und umgebaut wurde. Neben erhalten gebliebenen romanischen und gotischen Bauteilen bekam sie ihre endgültige Gestalt im überwiegend neugotischen Stil nach einem Umbau in den Jahren 1884 bis 1889.

Die Katholische Kirche „Unsere liebe Frau“
Die Katholische Kirche „Unsere liebe Frau“

Die moderne Katholische Kirche „Unsere liebe Frau“, von 1967 bis 1972 erbaut, ist der Nachfolgebau einer 1881 erbauten Kirche, die den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügte.

In der 1692 geweihten barocken Schlosskirche im Schloss Elisabethenburg befindet sich heute der „Konzertsaal Johannes Brahms“.

Im englischen Garten befindet sich auf dem Gelände des alten Friedhofes die 1839 im neugotischen Stil erbaute Gruftkapelle, in der sich bis 1977 Grabstätten der Herzoglichen Familie befanden und heute eine Ausstellung zur Geschichte des Englischen Garten beherbergt.

Weitere sehenswerte Kirchen befinden sich in Helba (geweiht 1885), Welkershausen (geweiht 1728, reich verziert im sogenannten Bauernbarock) und Dreißigacker.

Neuerbaute Kirchen sind die Kirche zum Heiligen Kreuz (1983) im Stadtteil Nord und die Neuapostolische Kirche (2000) im Stadtzentrum.

Öffentliche Gebäude

Das Gebäude des Meininger Theaters entstand 1909 im neoklassizistischen Stil, nachdem der Vorgängerbau im März 1908 bis auf die Grundmauern abbrannte. Der Architekt war der Hofbaurat Karl Behlert.

Das Gebäude der Deutschen Hypothekenbank heute
Das Gebäude der Deutschen Hypothekenbank heute

Das Vier-Sterne-Hotel „Sächsischer Hof“ wurde 1802 erbaut und 1900 in sehenswerter Optik mit Fachwerkelementen umgebaut und erweitert. Es war bis 1879 Sitz des fürstlichen Postamtes Thurn und Taxis. Heute gehört es zu den Romantik-Hotels.

Infolge der Entwicklung Meiningens zur Bankenstadt entstanden vornehmlich in der Leipziger Straße mehrere imposante Gebäude, in denen sich die Bank für Thüringen, die Reichsbank und die Deutsche Hypothekenbank befanden. Die zum Teil noch heute als Banken genutzten Häuser prägen entscheidend das Bild dieses Stadtviertels.

Ein gelungenes Beispiel der Verbindung von historischen Gebäuden mit modernen Glas-Beton-Bauten ist das neue Justizzentrum auf dem Gelände der ehemaligen Stadtkaserne. Weitere sehenswerte Objekte moderner Baukunst sind die Bundesbankfiliale, das Hallen-Freibad „Rohrer Stirn“, die Sport- und Veranstaltungshalle (Multihalle) und das Firmengebäude der ADVA Optical Networking AG.

Henneberger Haus
Henneberger Haus
Fachwerk- und Bürgerhäuser

Trotz einiger Stadtbrände und eines Baubooms im 19. Jahrhundert, das ganze Straßenzüge der Altstadt erfasste, sind eine Reihe von sehenswerten, heute denkmalgeschützten Fachwerk- und Bürgerhäuser aus verschiedenen Jahrhunderten erhalten geblieben. Zu den schönsten Fachwerkhäusern, die sich alle in der Innenstadt befinden, gehören das Büchnersches Hinterhaus (1596) in der Georgstraße, die Alte Posthalterei (17. Jahrhundert) in der Ernestinerstraße, das Hartungsches Haus (1603 / siehe: Fachwerkhaus) am Schwabenberg und das Haus Nr. 49 in der Ernestinerstraße. Als Bürgerhäuser sind das Henneberger Haus (1894) in der Georgstraße, das Steinernes Haus (1571) in der Anton-Ulrich-Straße, das Rokokohaus (1768) in der Schlossgasse 8 und das Schlundhaus (1906) in der Schlundgasse zu nennen. Das Letztere ist ein Nachbau des 1874 abgebrannten, sehr reich verzierten Merkelschen Hauses.

Denkmäler

Die Denkmalanlage Johannes Brahms im Englischen Garten ist das erste in Deutschland erbaute Denkmal für den Komponisten (1899). In diesem Park stehen weiterhin sehenswerte Denkmäler für den Dichter Jean Paul (1865) und den Komponisten Max Reger (1935).
In der Altstadt neben dem Literaturmuseum befindet sich das Denkmal für den Heimatdichter Rudolf Baumbach. Im Landschaftspark Herrenberg nahe dem Schloss steht das Denkmal für Otto Ludwig.

Im Parkfriedhof kann man die Denkmäler für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges (1871) und des Ersten Weltkrieges, für die Bombenopfer im Zweiten Weltkrieg und das Ehrenmal der Sowjet-Armee besichtigen. An die Zerstörung der Synagoge 1938 erinnert an deren ehemaligen Standort eine 1988 errichtete Gedenkstätte.

Brunnen

In der Stadt existieren eine Reihe von sehenswerten Zier- und Nutzbrunnen.

Der Heinrichsbrunnen und das Hauptpostamt am Markt
Der Heinrichsbrunnen und das Hauptpostamt am Markt

Der Heinrichsbrunnen auf dem Markt wurde 1872 errichtet und ist dem Kaiser Heinrich II. gewidmet, dessen Statue das Bauwerk krönt. Heinrich II. soll den Baubeginn der Stadtkirche im Jahr 1003 veranlasst haben. Unweit davon befindet sich auf dem Platz an der Kapelle der 1873 geschaffene Kapellenbrunnen. Das Becken von diesem Brunnen stammt ursprünglich von einem ehemaligen Marktbrunnen, die vom Architekten Eduard Fritze gestiftete Säule wurde im Jahr 1905 hinzu gefügt. Jedes Wasserrohr dieses Brunnens symbolisiert eine der Quellen, die die Stadt bis in das 20. Jahrhundert mit Wasser versorgten. Das Kapellenmodell auf der Säule stellt die Sühnekapelle dar, die hier von 1384 bis 1556 zur Erinnerung der Zerstörung der Synagoge an diesem Platze stand. Der Nonnenplanbrunnen auf dem gleichnamigen Platz in der Altstadt wurde erst nach 1990 gebaut. Seine Edelstahlhaube ist in seiner Form der Kopfbedeckung der Beginen nachempfunden. Die Beginen waren eine Gemeinschaft von religiösen Frauen, die hier seit dem späten Mittelalter im sogenannten Nonnenhof lebten.

Kapellenbrunnen mit Osterschmuck
Kapellenbrunnen mit Osterschmuck

Im Englischen Garten sind vier Zierbrunnen erwähnenswert. Dies sind der dem Dichter Ludwig Bechstein gewidmete Märchenbrunnen (1909), die beiden Brunnen in der Denkmalanlage Johannes Brahms (1899), weiterhin der gusseiserne Fischknabenbrunnen und der schon 1835 entstandene Schwanenbrunnen am ehemaligen südlichen Haupteingang zum Park, dessen Schale von zwei Schwänen verziert wird. Seit 1918 steht im Schlosshof der Elisabethenburg ein dreischaliger Marmorbrunnen, den der letzte Meininger Herzog eigens in Italien anfertigen ließ.

Weitere Zierbrunnen sind der 1913 entstandene Osterbrunnen gegenüber dem Schloss, der Gänsemännchen-Brunnen (1854) in der Karlsallee nahe dem Henneberger Haus, der Drachen-Brunnen neben der Struppschen Villa in der Bernhardstraße und der 1935 eingeweihte Fischdieb-Brunnen in der Georgstraße.

In der Altstadt sind noch einige von einst vielen Laufbrunnen erhalten, die die Bevölkerung mit frischem Quellwasser versorgten. Deren Tröge sind zumeist aus Gusseisen, einige wenige auch aus Stein.

Bearbeiten Parks

Englischer Garten - Eisteich
Englischer Garten - Eisteich

Englischer Garten: Mitten im Stadtzentrum befindet sich als grüne Oase der Englische Garten. Bereits 1782 wurde nördlich der Altstadt vor der ehemaligen Stadtmauer mit dem Anlegen des Parks begonnen. Er umfasst heute ein Gebiet von 12 Hektar, nachdem ein Teil des ursprünglichen Parks dem Bau der Werrabahn im Jahr 1858 zum Opfer fiel. Der Park beherbergt mit dem Eisteich und dem Schwanenteich zwei Gewässer. Im südlichen Teil findet man die herzogliche Gruftkapelle, erbaut 1839 im neugotischen Stil, und Grabstätten des alten Friedhofs. Zum Englischen Garten gehören weiterhin künstliche Ruinen einer Burg, kleine Brücken, Denkmäler und Brunnen. Zu den schönsten Brunnen zählen der Schwanenbrunnen und der vom Bildhauer Robert Diez geschaffene Bechsteinbrunnen, der dem Dichter Ludwig Bechstein gewidmet ist. Im Park gibt es Denkmale von Jean Paul, Johannes Brahms, Max Reger und von herzoglichen Familienmitgliedern. Eine Siegessäule aus dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 (errichtet 1878 von Erwin Doebner) und das Denkmal für Bernhard II. wurden 1949 durch Bilderstürmerei teilweise zerstört. (siehe Hauptartikel: Englischer Garten (Meiningen)).

Schlosspark: Zwischen dem Schloss Elisabethenburg und der Werra erstreckt sich zwischen der Georgsbrücke und der Volkshausbrücke auf rund einem Kilometer Länge der Schlosspark. Seine Anfänge gehen bis zum Ende des 17. Jahrhunderts zurück, wo man nach dem Bau des Schlosses einen Renaissancegarten nach französischem und holländischem Vorbild anlegte. In den 1770er-Jahren wurde der Park vergrößert und man begann mit der Umgestaltung zu einem Landschaftspark. Der Schlosspark wird von der Werra und den Wassergräben der ehemaligen Stadtbefestigung, genannt Bleichgräben, durchflossen. Die Westseite des Schlosses, die gusseiserne Bogenbrücke über die Werra, weitere Brücken, Stelen und Skulpturen zeitgenössischer Künstler prägen heute das Gesamtbild des Parks. (siehe Hauptartikel: Schlosspark Meiningen).

Landschaftspark Herrenberg: Westlich der Altstadt erhebt sich der 413 Meter hohe Herrenberg, dessen Osthang ab 1840 mit Wanderwegen, Aussichtspunkten und Gartenhäusern zu einem waldreichen Park umgestaltet wurde. Das Diezhäuschen bietet einen weiten Blick auf die Stadt. Im Park befindet sich das Denkmal von Otto Ludwig.

Parkfriedhof: 1842 wurde der Parkfriedhof mit verschlungenen Wegen, viel Baumbestand und den natürlichen Begebenheiten angepasst angelegt. Der Friedhof mit einer Eingangshalle im neugotischen Stil besitzt neben vielen aufwändigen Grabstätten wohlhabender Bürger auch großzügig gestaltete Anlagen zum Gedenken an die Gefallenen und Opfer der beiden Weltkriege. Die Friedhofskapelle wurde bei einem Bombenangriff 1945 zerstört. Sehenswert ist die Grabstätte von Herzog Georg II. und seiner Frau Helene Freifrau von Heldburg.

Bearbeiten Naturdenkmäler

Die Goetzhöhle
Die Goetzhöhle

Die im Westteil der Stadt befindliche Goetz-Höhle ist Europas größte begehbare Kluft- und Spalthöhle. In ihr kann man bis zu 50 Meter hohe, effektvoll beleuchtete Klüfte und Spalten auf einem Rundgang begutachten. Die Höhle entstand vor rund 20.000 Jahren durch gewaltige geologische Veränderungen im Gefüge des Berges.

Eine Besonderheit ist der Fledermausturm im Stadtteil Jerusalem. Im Drempel eines Sechsgeschossers, der für den Abriss vorgesehen war, entdeckte man 2003 eine große Kolonie mit 1.500 Tieren der Fledermausart Großes Mausohr, rund fünfhundert Tiere des Abendseglers und einige Exemplare von Zwerg-, Breitflügel- und Zweifarbfledermäusen. Man entschloss sich, für die unter Naturschutz stehenden Tiere einen Aufgang stehen zu lassen und ansehnlich umzubauen. Der Turm wird auch von Naturschützern als Quartier und Forschungsstätte genutzt. Nach dem Teilabriss 2006 kehrten rund tausend Tiere des Großen Mausohrs und die anderen Arten in ihre Quartiere zurück.

Der „Meininger Hausberg“ ist der bei Kühndorf gelegene 739 m hohe Dolmar. Er ist geologisch ein zur Rhön gehörender erloschener Vulkan.

Bearbeiten Tourismus

beliebtes Motiv für Städtetouristen - das Büchnersche Hinterhaus (1596)
beliebtes Motiv für Städtetouristen - das Büchnersche Hinterhaus (1596)

Große Bedeutung für Meiningen hat wegen der reichen Kulturtradition und einem sehenswerten Stadtbild der Kultur- und Städtetourismus. Weiterhin lockt die in den letzten Jahren gewachsene Anzahl von Wander- und Radwegen rund um Meiningen und der Caravanplatz vermehrt Gäste in die Stadt. So besuchen täglich zahlreiche Touristen die Stadt, pro Jahr sind dies rund 150.000 Tagestouristen und rund 32.000 Kurzurlauber. Darauf haben sich die hiesigen Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe spezialisiert. Da Meiningen kein klassischer Urlaubsort ist und die Besucher in der Regel Tagestouristen sind, fehlen hier gänzlich größere Ferien- und Familienhotels. Die Stadt besitzt nur wenige Hotels und Pensionen mit insgesamt 417 Betten. Die durchschnittliche Verweildauer der Kurzurlauber wiederum liegt pro Gast bei 1,7 Tagen. Dies erklärt die relativ geringe Übernachtungszahl von 53.000 pro Jahr, allerdings mit steigender Tendenz (Quelle: Deutscher Tourismusverband 2007).

Im Städtetourismus wird die Stadt täglich von Reisebussen verschiedener Reiseveranstalter angesteuert. Für diese Tagestouristen gehört neben dem Besuch der Museen in der Regel eine Stadtführung zum Programm, bei der die Sehenswürdigkeiten und kulturhistorisch bedeutsame Stätten gezeigt und erklärt werden. Selbständig anreisende Besucher können eine eigene Stadtführung buchen, ansonsten werden öffentliche Stadtführungen an jedem Samstag angeboten.

Der Kulturtourismus konzentriert sich hauptsächlich auf die Meininger Museen, die Aufführungen des Meininger Theaters und größere Kultur- und Technikevents wie der Sommernachtsball des Theaters, die Meininger Kleinkunsttage oder die Meininger Dampfloktage. Diese Veranstaltungen ziehen Interessierte aus ganz Deutschland und dem Ausland an.

Bearbeiten Sport

Bei den in Meiningen ausgeübten Sportarten dominieren insbesondere der Ballsport, der Wassersport, der Kampfsport und die Leichtathletik.

Mit dem VfL Meiningen 04, der SG Helba und der SV 01 Dreißigacker besitzt die Stadt heute drei Fußballvereine, von denen der erstere bisher am erfolgreichsten war. Der zurzeit in der Thüringer Landesklasse beheimatete Verein spielte bereits in der Thüringenliga und während der DDR-Zeit unter dem Namen BSG Lok Meiningen in der DDR-Liga (2. Liga / eine Saison) und in der Bezirksliga (3. Liga). Weit bekannter und erfolgreicher war aber der von 1962 bis 1974 existierende Armee-Fußballclub ASG Vorwärts Meiningen, der sich mehrmals in der DDR-Liga die Vize-Meisterschaft erspielte. Zu den Spielen der nicht in die DDR-Oberliga aufstiegsberechtigten Mannschaft kamen bis zu 12.000 Zuschauer in das damalige „Rudi-Arnstadt-Stadion“.
Des Weiteren sind überregional beim Volleyball die Vereine VV 70 Meiningen und SG Werradamm Meiningen, im Basketball der PSV Meiningen 90, im Handball der ESV Lok und im Tennis der Tennisclub Grün-Gold vertreten.

Ort zahlreicher Sport-Events - die Multihalle im Stadtteil Jerusalem
Ort zahlreicher Sport-Events - die Multihalle im Stadtteil Jerusalem

Auf zahlreiche Mitglieder kann der Schwimmverein Meininger Wasserfreunde e.V. verweisen, die neben dem Leistungsschwimmen einmal jährlich mit dem „24-Stunden-Schwimmen“ eine sportliche Großveranstaltung durchführen. Weiterhin existiert in Meiningen ein Kanu-Sportverein.

Dem Kampfsport haben sich in Meiningen gleich vier Vereine verschrieben. Im 1998 gegründeten Kampfsportzentrum Universum Meiningen e.V. werden das koreanische Taekwondo und das japanische Kobudo betrieben. Alljährlich veranstaltet der Verein den „Internationalen Keltencup“ im Taekwondo und 2007 findet in Meiningen der 3. Europacup im Kobudo statt. Im Polizeisportverein Meiningen 90 e.V. kann man sich in der Sektion Budo den Kampfsportarten Judo, Ju-Jutsu und Kendo widmen. Im Juni 2006 richtete der PSV Meiningen den Europacup im Ju-Jutsu aus. Beim Verein Yawara e.V. werden Boxen, Kickboxen, Judo und Ju-Jutsu angeboten. Ein Höhepunkt ist die von Yawara jährlich veranstaltete „Meininger Fight-Night“ mit Wettkämpfen in mehreren Kampfsportstilen. Ein weiterer Kampfsportverein ist der Erste Meininger Karate-Dojo e.V..

Der PSV Meiningen 90 hat eine umfangreiche Leichtathletik-Sektion und betreibt weiterhin im Wintersport das Bob- und Skifahren. Eine bekannte Bobfahrerin ist hier Janine Tischer. Weitere größere Sportvereine sind der RSV Blau-Weiß 1983 im Radsport und der Turnsportverein Meiningen. Die größte Sportstätte ist das „Stadion im Maßfelder Weg“ (ehemals Rudi-Arnstadt-Stadion).

Bearbeiten Regelmäßige Veranstaltungen

Die Georgstraße beim Meininger Herbst
Die Georgstraße beim Meininger Herbst

Zu den regelmäßigen Veranstaltungen gehören die Sondermärkte Ostermarkt, Maimarkt mit der „Gilde der Marktschreier“, Meininger Herbst und Martinsmarkt, die mit interessanten Programmpunkten und Attraktionen viele tausende Besucher anziehen.

Ein Musikfestival für junge Nachwuchsbands und junge Musiker ist das in jedem Frühjahr durchgeführte Cross over. Hier treten die Bands in einem Wettstreit gegeneinander an, der Sieger erhält die Möglichkeit zu einer Tonstudioaufnahme mit CD-Produktion.

Die bedeutendste Veranstaltung ist das traditionell am ersten Juliwochenende durchgeführte Stadt- und Hütes-Fest. Dieses hatte seine Anfänge im ältesten Stadtviertel „Töpfemarkt“ und widmet sich heute auch der Geschichte der Thüringer Klöße, in der Meininger Region auch „Hütes“ genannt. An drei Tagen bietet das Fest auf mehreren Festbühnen der Innenstadt ein reichhaltiges Programm, das am Sonntag mit dem Festumzug und dem anschließendem „Hütes-Ritual“ seinen Höhepunkt hat. Anschließend werden in zahlreichen Lokalen und Festzelten tausendfach verschiedene Hütesgerichte verzehrt.
Ein weiterer Höhepunkt bei den Marktveranstaltungen sind die Gilde der Marktschreier, die seit 1992 jährlich an vier Tagen zu Pfingsten auf dem Meininger Markt gastieren.

Im Juni macht das bekannte Honky-Tonk Kneipenfestival in Meiningen Station, bei dem in durchschnittlich 20 Kneipen und Restaurants Live-Bands unterschiedlicher Stilrichtungen auftreten. Dazu gehören vornehmlich Blues, Blues-Rock, Irish-Folk, Jazz, Latino und Rock. Ein großes gesellschaftliches Event im Juli ist das alljährlich im Theater und angrenzenden Englischen Garten stattfindende Sommerfest des Meininger Theaters mit mehr als 2.000 Besuchern. Er ist der Treffpunkt der südthüringischen Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur und weiterhin Magnet für Gäste aus Thüringen, Hessen und Bayern.

Dampfloktage
Dampfloktage

Seit 1995 veranstaltet das Dampflokwerk am ersten Wochenende im September die „Meininger Dampfloktage“, zu denen tausende Dampflokfans zum Teil mit Sonderzügen anreisen.
Ebenfalls in der ersten Septemberwoche findet im zweijährigen Turnus an fünf Tagen die MEGA - Meininger Gewerbeausstellung statt, eine länderübergreifende Leistungsschau, an der vornehmlich Aussteller aus Thüringen, Bayern und Hessen teilnehmen.

Die Meininger Kleinkunsttage präsentieren im September mit rund 14 Veranstaltungen die ganze Vielfalt der Kleinkunst wie Kabarett, Comedy, Pantomime, musikalische Bühnenshows oder humoristische Lesungen. Zu Beginn wird bei der Auftaktveranstaltung der Thüringer Kleinkunstpreis dem Vorjahressieger verliehen.

Der Güldene Herbst ist ein im Oktober stattfindendes Festival alter Musik. Im November und Dezember lädt das Sagen- und Erzählfest nicht nur Kinder ein. Rund drei Wochen lang ist dann der Meininger Weihnachtsmarkt mit Bühnenprogramm ein attraktiver Anziehungspunkt für jung und alt.

Zu den sportlichen Veranstaltungen gehören das Anfang Juni durchgeführte 24-Stunden-Schwimmen des Schwimmvereins „Wasserfreunde“ und der am Tag der Deutschen Einheit stattfindende Meininger Citylauf, eine Internationale Laufsportveranstaltung über 3, 5, 10 Kilometer und im Halbmarathon. Den Abschluss bildet der von der „PSV Meiningen“ organisierte Silvesterlauf am 31. Dezember im Schlosspark.

Bearbeiten Kulinarische Spezialitäten

Eine bekannte und bei Touristen wie Einheimischen beliebte Spezialität sind die Mäninger Hüt's mit Brüh'. Dies sind Thüringer Klöße auf Meininger Art mit Braten, Bratensoße und Rotkohl. Das nach den „Hütes“ benannte Stadtfest widmet sich ausgiebig dieser beliebten Speise (siehe Stadt- und Hütesfest unter Veranstaltungen).

Bearbeiten Verkehr

Meiningen liegt direkt an der Bundesautobahn 71, ist auf Grund einer günstigen geografischen und topografischen Lage zwischen Rhön und Thüringer Wald, Grabfeld, dem oberen und mittleren Werratal ein Knotenpunkt mehrerer Bundes- und Landesstraßen, weiterhin von vier Bahnlinien und somit der bedeutendste Verkehrsknoten Südthüringens.

Blick über die Stadt nach Norden
Blick über die Stadt nach Norden